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Collagraph

Während meines Studiums an der Kunstfachhochschule „Constantijn Huygens“ in Kampen arbeitete ich mit konzentrierter Salpetersäure um die Zinkplatten so tief wie möglich auszubeißen. Zu dieser Zeit nahm man in der Ausbildung keine Rücksicht auf gesundheitliche Aspekte. Erst später, lange nach Abschluss des Studiums, wurde ich mir bewusst von den schädlichen Auswirkungen.

Ab diesem Moment wurde ich immer zurückhaltender mit dem Einsatz dieser Stoffe. Zum Beispiel verwende ich Kupfersulfat, ein wasserlösliches Salz, anstelle von Salpetersäure. 

Im Jahr 2009 hatte ich eine große Retrospektive mit vierzig Werken. Sie sah schön aus, aber ich war nicht zufrieden. Erst dann wurde mir klar, dass ich nicht nur mit dem Einsatz von Schadstoffen zurückhaltender geworden war. Auch meine Themen wurden im Laufe der Jahre ganz allmählich mitentwickelt. Wo ich bei meiner Graduierung emotionale Radierungen herstellte, die so gesagt ’schmerzen’, waren meine letzten Bilder eher als analytisch anzudeuten. Meine Themen waren nicht mehr direkt Menschen, sondern zum Beispiel die Verschlammung der offenen Landschaft in Flevoland mit Windmühlen und Hochspannungs-Pylonen. Ich erschrak. So wollte ich nicht weitermachen.

Eine Fachkollegin wies mich auf Peter Wray hin, einen englischen Künstler und ’Erfinder’ der Collagraph-Technik. Herbst 2009 war ich bei ihm in England. Dort habe ich gelernt die Druckplatten auf eine wirklich unkonventionelle Art und Weise herzustellen. Dadurch kam ich zurück zum Ausdruck meiner damaligen tief ausgebissenen Radierplatten. Mit sehr unterschiedlichen Materialien kann ich jetzt zu einer vergleichbaren visuellen Bildsprache kommen.

© 2018 Else van Luin