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Aufträge

Selbstverständlich habe ich meinen eigenen visuellen Stil entwickelt, zu erkennen an meiner eigenen Handschrift. Für mich gibt es eine Trennung zwischen der Schaffung meiner freien Werken und Aufträge.

Der wesentliche Unterschied liegt in der ’Geschichte’, in dem was erzählt wird. In meinen freien Werke erzähle ich meine eigene Geschichte und ich suche dabei die geeigneten bildhaften Mittel, die entsprechende Bildsprache.

In einem Auftrag von und für eine Organisation oder private Personen handelt es sich um die Geschichte der Auftraggeber. Nicht mehr und nicht weniger. Das, was er oder sie zum Ausdruck gebracht haben will, übersetze ich in Farben und Formen. Wenn ich einen Auftrag annehme, beginnt meine Arbeit mit der Befragung der Auftraggeber. Ich frage so lange, bis ich ein klares Bild habe von dem was dargestellt werden soll und wofür es dient.

Ist es zum Beispiel ein Abschiedsgeschenk von der Behörde an einen zurücktretenden Bürgermeister, dann handelt es sich davon, was dieser Bürgermeister während seiner Amtszeit in der Gemeinde zustande gebracht hat, welche Bedeutung er für die Gemeinde gehabt hat.

Aber wenn ein junges Paar einander im Rahmen ihrer Hochzeit ein besonderes Geschenk geben will, kann ein Diptychon entstehen, zwei separate Gemälde die gemeinsam eine Komposition bilden und nicht ohne einander können.

Die Aufträge variieren von einem Design für Weihnachtskarten, über einen Buchumschlag und Illustrationen für eine abstrakte Geschichte bis zu Geschenken für besondere Anlässe oder Geschäfte. Ich erstelle druckgraphische Bilder und Malereien für Unternehmungen, Behörde und private Personen.

 Beispiel eines Auftrags

Im Frühling 2011 kamen die Direktorin und eine Mitarbeiterin der Oost-Flevoland Woondiensten (OFW) in Dronten, einer Organisation die Wohnungen baut und vermietet, zu mir mit einer doppelten Anfrage: Erstellen Sie einen besonderen Entwurf für die Weihnachtsgrüße. Der gleiche Entwurf sollte auch in einen Druck verarbeitet werden. Dieser Druck sollte dienen als Weihnachtsgeschenk und als Werbegeschenk. In dieser Organisation ist es eine Tradition, dass alle Mitarbeiter wählen können zwischen einem Weihnachtspaket oder einem kleinen Kunstwerk. Jedes Jahr lädt man einen anderen Künstler ein für diesen Auftrag.

 

Was habe ich getan?

Ich fühlte mich wirklich geehrt. Es war schon das zweite Mal, dass ich eingeladen  wurde. Offenbar hatten meine Werke aus 1999 gut gefallen.

Wie bei jedem Auftrag  gibt es Einschränkungen. Das Wichtigste ist, dass man sich immer auf ein Budget beschränken muss. In 1999 hatte ich die Radierungen in ein Passepartout geliefert, das hatte nicht allen Empfängern gefallen. Sie wurden  gezwungen um selbst einen Rahmen zu kaufen. Eigentlich wurden Sie gezwungen Geld für ein Geschenk auszugeben.

Deswegen haben wir in diesem Fall in umgekehrter Richtung gerechnet. Die Kosten der Rahmen bestimmte die Größe des Abdrucks.

Die zweite Beschränkung ist natürlich die Geschichte, die dargestellt werden muss. OFW unterscheidet sich durch ihre Politik der Nachhaltigkeit. Sie hat mit dieser Einstellung mehrere nationale Preise gewonnen. So fand ich es logisch, dass sie ihre nachhaltige Unternehmungsform zum Ausdruck bringen möchte. Man bat mich, gerade diese Haltung in meiner Druckgraphik darzustellen.

Dies erwies sich furchtbar schwer. Schmökern in Google (’Bilder’, ’nachhaltiges Unternehmertum’), Poesie, Mythologie und Philosophen haben mich nicht weiter gebracht. Ich brauchte eine Menge Zeit um darüber nachzudenken, was ich erstellen wollte.

Der 'Klick' kam durch Zufall. OFW ist aktiv in den drei Dörfer, Biddinghuizen, Dronten und Swifterbant die gemeinsam die Gemeinde Dronten formen. Die Gemeinde Dronten verteilte neue Grundrisse. Ich sah in Einem ein Bild von den Pläne der Dorfkernen als Grundformen von woraus ich eine Komposition aufbauen konnte.

Ich wusste sofort, dass ich diese Pläne in Relief verarbeiten sollte. Dafür ist die neue Technik der Collagraph bestens geeignet. Sie ist in Amerika und England von Künstlern entwickelt, die nach Methoden suchten die weniger schädlich für die Umwelt und die Gesundheit sind.

In meinem Entwurf habe ich die geographischen Distanzen zwischen den Dörfern reduziert. OFW bringt Menschen zusammen, ist gleichermaßen aktiv in allen drei Dörfern und ist fest verwurzelt in der Drontener Gesellschaft. Dafür habe ich eine braune Fläche gewählt. OFW ist eine farbenreiche, energische und vielseitige Organisation. Und das wichtigste: ein grüner Wind weht durch die Gemeinde, ein nachhaltiger Wind.

Mit einer einfachen Skizze ging ich im Sommer zurück zur OFW mit der Frage, ob es das war, was sie wollte. Wenn ja, konnte ich mit dem Ausarbeiten anfangen.

Zu meiner Erleichterung war man einverstanden. Ich bewundere das Vorstellungs-Vermögen der Leute bei OFW um aufgrund einer solchen unbedeutenden Skizze das Vertrauen zu haben, dass die endgültige graphische Ausarbeitung ein gutes Kunstwerk wird. Gerade um dieses Vertrauen nicht zu beschämen, habe ich das Bedürfnis mich extra dafür einzusetzen und ein wirklich gutes Kunstwerk zu erstellen.

Mein Ausgangspunkt in der Ausarbeitung waren wie gesagt die Pläne der drei Dörfer der Gemeinde Dronten. Ich habe die Umrisse gespiegelt aus dünnem Birkensperrholz gesägt und auf eine dünne Aluminiumplatte geklebt. In diesem Holz habe ich mit einem Hohleisen den Straßenplan ausgestochen. Selbstverständlich auch gespiegelt. Mit Fliesenkleber und einem Malmesser habe ich eine Struktur angegeben und alles mit Lack überdeckt um während des Drucks die Tinte nicht zu tief in die Druckform eindringen zu lassen. Wenn man ohne Tinte druckt, sieht man nur das Relief. Schließlich habe ich die kleinen Dorfpläne ganz leicht mit hellgrauer Tinte abgedruckt.

Die Grenze der Gemeinde Dronten läuft rund um die drei Dörfer. Ich habe in Google Earth die Gemeindegrenzen gesucht und mit der Maus gefolgt. An etwa gleichen Abständen habe ich die Koordinaten notiert und unter einander getypt. Mittels einer anderen neuen Drucktechnik, abgeleitet von der Lithotechnik (Steindruck), habe ich diese Koordinaten mit Silbertinte auf schönes, aus Baumwollfasern hergestelltes Druckpapier abgedruckt. Mit diesem Papier bekommt man beim Drucken mit Tinten auf Leinölbasis eine schöne samtartige Haut.

Der ’grüne Wind’ malte ich zuerst mit Tusche auf Zeichenpapier, so oft bis ich eine schöne Kurve hatte. Den Strich der ursprünglichen Skizze fand ich inzwischen zu einfach. Den besten ’Wind’ wurde von mir auf dem Computer gescannt und kleine Teile wegretuschiert, wo später die Pläne eingepasst werden sollten. Auch diese Schicht ist wie ein Litho als zweite Schicht abgedruckt in grün und gelb, als zweite Schicht über die silbernen Koordinaten.

Als nächstes habe ich die Radierungen gemacht: eine Platte mit der braunen und blauen Farbe, eine kleine Platte mit der hellen gelben Farbe in der Biegung von dem grünen 'Wind' plus die rote Streife und eine Platte für die schwarze Tinte die über das Braune und das Blaue gedruckt werden musste. In zwei Schichten (die Platten mit Farben können während des Druckens neben einander liegen) habe ich die Radierung über die Lithoschichten abgedrückt.

Schließlich konnte ich als fünfter Druckgang die Collagraphdruckplatte mit den drei Dorfplänen drucken. Immer muss der Collagraph als letzte Druckform unter die Presse. Damit bringt man das Relief an. Wenn man nach dem Druck einer Prägung eine andere Schicht abdrückt, wird das Relief wieder flach gepresst.

Ich habe dieses Werk in einer Auflage von 75 gedruckt und gerahmt. Weil das Relief so tief ist, hat der Rahmen ein Passepartout an der Vorderseite und an der Hinterseite. Nur mit diesem zusätzlichen Raum auf der Rückseite konnte ich dieses Werk schön und prall einrahmen.

Mit viel Freude schaue ich zurück auf diesen Auftrag. Das Resultat finde ich schön. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass alle Empfänger sich auch freuen.

Ich blicke auch mit großer Zufriedenheit zurück auf den Prozess. Die Leute von OFW verstehen die Kunst sich als einen guten Auftraggeber zu benehmen. 
Sie konnten ihren Auftrag klar umschreiben und haben meinen Ideen ganz offen zugehört. Dieses Kunstwerk haben wir gemeinsam erstellt. 

So wurde es wirklich das Geschenk der OFW. Gerade sie muss es ja mit Stolz weggeben können. Das ist was ich wollte, und soweit ich das beurteilen kann ist es in diesem Fall prima gelungen.

© 2018 Else van Luin