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Druckgraphik

Buchstäblich stammt das Wort "Graphik" vom griechischen ’Grafein’, was ’schreiben’ bedeutet. Dieses Wort lässt sich ableiten von dem Wort für ’kratzen’ oder ’gravieren’. Es bezieht sich auf die Prozesse, womit sichtbare Zeichen angebracht werden. Heute beschränkt sich die Bedeutung von ’Graphik‘ auf ’Druckkunst’. Das Erstellen der Druckformen, das Abdrucken, sowie das endgültige Ergebnis aller Bemühungen, der Abdruck, werden heutzutage mit ’Graphik’  oder ’Druckgraphik‘ gekennzeichnet.

Graphik ist ein Sammelwort. Unter anderen Holzschnitte (Hochdruck), Radierungen (Tiefdruck) und Lithographien (Flachdruck) gehören dazu.

 

Hogard-prenten-1-001.jpgHogard-schilderijen-1.jpg

Links drei Reproduktionen aus den 19. Jahrhundert von Hogarth’s Garnelenmädchen;
rechts eine fotografische Reproduktion des originales Gemäldes.
(Quelle: Fons van der Linden De Grafische Technieken, Ausgabe Cantecleer NL 1980)

Reproduzierbarkeit

Ursprünglich diente Graphik als Methode zur Reproduktion von Bildern und Texten. Im Laufe der Jahrhunderte ist diese Aufgabe von kommerziellen Druckereien übernommen worden.

Schon früh wurde ein tief verwurzelter Unterschied im Denken über Drucken klar. Einerseits  gab es den professionellen Drucker, der eine Auflage mit völlig identischen Abdrucken erreichen wollte. Er hatte die Absicht, immer größere Auflagen gegen niedrige Kosten herzustellen.

Auf der anderen Seite gab es schon von  Anfang an Künstler, die der Auffassung waren: ’Der Abdruck soll Ausdruck haben. Darum ist es mir egal, wie die Tinte auf den Abdruck kommt. Die Abdrücke dürfen sich von einander unterscheiden‘. Die Künstler suchten ständig nach Techniken um ihre spezifische Bildsprache zu verbessern. Sie strebten danach, ihre Arbeit immer ausdrucksvoller zu machen.

Auch nutzten einige Künstler die Graphik um ihre Gemälde publik zu machen. Dazu  zeichneten sie einen Kupferstich oder eine Radierung nach ihren Gemälden. Manche ließen sie das von professionellen Graveuren tun. Dadurch dass die Abdrücke billiger waren als die originellen Gemälde, entstand ein neuer und größerer Markt.


Auflage

Jeder Abdruck ist einzigartig und wird daher vom Künstler nummeriert. Zum Beispiel, bei einer  Auflage von 10  Abdrucken wird nummeriert wie folgt: 1/10, 2/10, 3/10... 10/10. Der  Abdruck mit der Zahl 1/10 wurde als erster gedruckt.

Auch kommt E.A. vor, eventuell mit einer Nummer. E.A. bedeutet Épreuve d' Artiste oder Eigener  Abdruck. Dabei handelt es sich um Probedrücke des Künstlers, bevor dieser sich entschließt, die endgültige Auflage zu drucken. Meistens ist die Auflage beschränkt, denn für Graphiker hat gerade die relative Einzigartigkeit ihrer Werke einen Mehrwert.

Die meisten Graphiker verfügen selbst über eine Druckerpresse. Sie haben nicht nur eine eigene Handschrift entwickelt beim Erstellen der Druckplatten, auch die Art und Weise worauf Druckfarbe angewendet und zurückgeschlagen wird, kann insbesondere bei Tiefdruck- und Collagraphbildern einen sehr persönlichen Akzent geben.

Manche Künstler lässt eine Zeichnung oder ein Gemälde von einer Druckerei kopieren und mit der Hand drucken, wonach er selber die Abdrucke signiert.

Graphiker sind sich sehr bewusst von der authentischen Schönheit der graphischen Künste. Sie bevorzugen die samte Haut der Tinten, die nach altem Rezept auf Leinölbasis hergestellt werden und so wunderbar jeden Abdruck auf dickem Baumwollefasernpapier Tiefe geben.

© 2018 Else van Luin